Call for Papers

Einreichungsfrist: 30.11.2021
HerausgeberInnen: Monica Bravo Granström, Ilka Koppel, Jörg Stratmann

Unsere Gesellschaft wandelt sich in mehreren Dimensionen mit zum Teil hoher Geschwindigkeit. Der fortlaufende Prozess der digitalen Transformation bringt eine Reihe tiefgreifender und miteinander verbundene Veränderungen in Kultur, Arbeitswelt und Technologie mit sich. Diese von Hepp als “tiefgreifende Mediatisierung” (Hepp, 2019) bezeichneten Veränderungen kommunikativer Figurationen bzw. sozio-medialer Praxis, betreffen inzwischen jede Bildungssituation, sprich jeden pädagogischen Handlungszusammenhang und damit unweigerlich auch die Hochschulbildung sowie deren Weiterbildung (Deimann und van Treeck, 2020; Blossfeld et al., 2018; Reinmann, 2019). Ausgehend von dem oben genannten Mediatisierungsbegriff, handelt es sich bei der Digitalisierung um einen Transformationsprozess, der in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft stattfindet. Unter digitaler Transformation wird zum einen “die Organisations- bzw. Hochschulentwicklung im digitalen Wandel [verstanden], der sich auf die gesamte Wertschöpfung der Wissenserschließung und -kommunikation bezieht. Zum anderen die Befähigung der Organisationsmitglieder einer Hochschule, insbesondere Lehrende sowie Studierende, die Chancen der Digitalisierung und von Netzwerkeffekten für die Hochschulentwicklung selbständig und eigenverantwortlich zu nutzen." (Seufert et al., 2019, S 89). Gleichzeitig bringt die digitale Transformation aber auch diverse Herausforderungen mit sich: Es wird prognostiziert, dass sich sowohl die Arbeitswelt als auch das private Leben wandeln werden. Bezüglich der Arbeitswelt sind deutliche Veränderungen der Tätigkeiten bereits seit einigen Jahren zu beobachten. Zukünftig variieren die Prognosen von dystopischen Veränderungsszenarien, in denen ein erheblicher Teil der Arbeitsprozesse von Maschinen übernommen und mit einer erhöhten Arbeitslosigkeit begleitet wird, bis hin zu Szenarien, in denen veränderte und neue Tätigkeitsfelder ohne eine wesentliche Steigerung der Arbeitslosigkeit erwartet werden. In jedem Fall wird die Digitalisierung (weiterhin) tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen und zu diversen Herausforderungen führen, für deren Begegnung (neue) Kompetenzen und Fähigkeiten notwendig sind.

Herauszufinden, wie diesen Herausforderungen im Arbeitskontext begegnet werden kann, ist häufig Aufgabe der wissenschaftlichen Weiterbildung der Hochschulen. Wissenschaftliche Weiterbildung wird dabei einerseits als Sonderform der Erwachsenenbildung verstanden, andererseits ist zu beobachten, dass sich die Erwachsenenbildung zunehmend medienpädagogischer Theorien bedient. Hier stellt sich die Frage, wie wissenschaftliche Weiterbildung an den Hochschulen durch diese und weitere Disziplinen figuriert wird.

Dabei lässt sich konstatieren, dass das Verhältnis zwischen Erwachsenenbildung und Medienpädagogik vor allem unter Einbezug der Perspektiven des Arbeitsmarkts an Relevanz gewonnen hat. Wissenschaftliche Weiterbildung muss solche Erkenntnisse aus der Erwachsenenbildung und Medienpädagogik zukünftig stärker berücksichtigen, die Einfluss auf den Professionalisierungsdiskurs innerhalb der wissenschaftlichen Weiterbildung nehmen, um die Qualität der Angebote sicherstellen zu können. So stellt sich auch die wissenschaftliche Weiterbildung zunehmend auf die sich verändernden Anforderungen ein: Zum einen wird Medienpädagogik und im weiteren Sinne die Medienbildung, stärker als Lehr-/Lerninhalt in Angebote der Weiterbildung Einzug halten – nur so können die erforderlichen Kompetenzen (bei einem Großteil der Bevölkerung) anmoderiert werden. Zum anderen müssen die Angebote selbst weiterentwickelt werden, um den Bedürfnissen der Teilnehmenden stärker gerecht zu werden (Kerres, 2013, S. 114). Eine Orientierung für die wissenschaftliche Weiterbildung bieten die Erkenntnisse der Mediendidaktik.

Die jüngste Vergangenheit der Covid-19-Pandemie hat die Relevanz und Leistungsfähigkeit der Digitalisierung in der Hochschulbildung gezeigt und vieles spricht dafür, dass die Pandemie eine katalytische Wirkung auf die digitale Transformation in der Hochschulbildung hat. Deutlich wurden aber auch die vielfältigen spezifischen Voraussetzungen und die Grenzen digitalisierter Hochschulbildung. Die Pandemie legt den dringenden Bedarf offen, zu alternativen Konzepten in und mit Medien in der (wissenschaftlichen) Weiterbildung/Erwachsenenbildung zu gelangen, um den Herausforderungen des Digitalisierungs- und Mediatisierungsprozesses auf der Ebene der Angebots- und Programmplanung, der individuellen und professionellen Ebene sowie der organisationalen Ebene zu begegnen. Digitale Medien haben das Potenzial, um auf diese Anforderungen zu reagieren. Digitalen Angeboten kommt daher aus mehreren Gründen eine Schlüsselrolle zu: Sie können z.B. räumlich und zeitlich flexibel genutzt werden und sind für die anbietenden Einrichtungen besser skalierbar als analoge Angebote. Vielfältige und flexible Studienformate helfen den Menschen auf wissenschaftlichem Niveau den Wandel mitzugestalten. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass viele Lehrende und Studierende derzeit nicht über die Kompetenzen verfügen, um mediengestützte Lernangebote in angemessener Weise anbieten/nutzen zu können.

Die Hochschulen mit wissenschaftlicher Weiterbildung haben somit in dieser Situation eine wichtige Funktion, um das Personal bzgl. der veränderten Anforderungen zu qualifizieren. Allerdings existieren für die Professionalisierung von Akteuren in der Weiterbildung kaum Lehr- und Lerngegenstände, die eine systematische Vermittlung medienpädagogischer Bestandteile unterstützen. Es mangelt an medienpädagogischen und -didaktischen Grundlagen, die konkrete Zugänge zur Erwachsenenbildung aufzeigen und eine Professionalisierung unterstützen. Entsprechend bestehen insgesamt wenige dokumentierte Erfahrungen bezüglich der konzeptionellen Einbindung digitaler Medien in der Erwachsenenbildung (Hartung-Griemberg, 2017; Helbig und Hofhues, 2018; Scharnberg et al., 2017). Auch erste Gehversuche in wissenschaftlicher Hinsicht, Diskurse der Erwachsenenbildung und Medienpädagogik miteinander zu verbinden, legen eher blinde Flecken ihrer Dependenzen offen (Schmidt- Hertha und Rohs, 2018). Es bestehen zahlreiche Desiderate hinsichtlich der Nutzung digitaler Technologien für Weiterbildungen. So stellen Rohs et al. (2020, S. 365) fest, dass sich die „Weiterbildungsforschung zu wenig mit der Thematik beschäftigt, um hilfreiche Orientierungen für einen effektiven und sinnvollen Einsatz digitaler Medien“ zu bieten. Fragen im Angesicht medialer Entwicklungen betreffen u.a. Möglichkeiten, Ziele, aber auch Grenzen persönlicher Entfaltung, die allgemeine und spezielle berufliche Kompetenzentwicklung in, mit und durch Medien und/oder politische Orientierungs- und Handlungsfähigkeiten Erwachsener (Faulstich und Zeuner 2010). Für den Bereich der Hochschullehre trifft dies sicherlich in großem Maße zu: Hochschulen und ihre Weiterbildungsinstitutionen sind zukünftig gefordert, die Arbeitskräfte auf die Veränderungen vorzubereiten, die digitale Transformation voranzutreiben und Bildungsprozesse im digitalen Raum zu organisieren. Das übergeordnete Ziel dieses Sammelbandes besteht darin, eine Orientierung und einen Leitfaden für die Professionalisierung im Bereich der (wissenschaftlichen) Weiterbildung im Hinblick auf die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation anzubieten. Der Sammelband verfolgt vordergründig folgende Ziele:

  1. Identifikation und Erläuterung von Treibern des digitalen Transformationsprozesses, um das Verständnis dieses Prozesses zu erweitern
  2. Aufzeigen theoretischer und empirischer Anknüpfungspunkte für die (wissenschaftliche) Weiterbildung
  3. Ableitung von Implikationen zur Gestaltung digitaler Prozesse für Lehr-Lernzwecke in der Weiterbildung (Handlungsmöglichkeiten und Optionen aufzeigen)

Um diese Ziele zu erreichen, sollen aktuelle theoretische sowie empirische Befunde zur digitalen Transformation in der (wissenschaftlichen) Weiterbildung systematisch zusammengetragen und im Hinblick auf die Ebene der Angebots- und Programmplanung, die individuelle und professionelle Ebene sowie die organisationale Ebene, reflektiert werden. Wir möchten alle ForscherInnen, die an diesen Themen und Fragen arbeiten, herzlich einladen, sich mit theoretischen, methodologischen, konzeptionellen und empirischen Beiträgen zu beteiligen.

Das Buch wird in der Reihe „Hochschulweiterbildung in Theorie und Praxis“ vom wbv Verlag erscheinen. Die Veröffentlichung wird von der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V. gefördert.

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Literaturverzeichnis (siehe PDF)